„Links bergauf“: In diesem Jahr traf sich eine Gruppe politikinteressierter und naturbegeisterter Personen am Parkplatz Kugelmühle an der Almbachklamm. Zusammen mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Bärbel Kofler wanderte man durch das einzigartige Naturdenkmal, um danach im Gasthof Dürrlehen eine längere Mittagspause einzulegen und interessante Gespräche zu führen.
Mit von der Partie waren auch der „Hausherr“, der Marktschellenberger Bürgermeister Michael Ernst, SPD-Kreisvorsitzende Susanne Aigner, der SPD-Fraktionssprecher im Kreistag, Roman Niederberger, SPD-Ortsvorsitzender Hans Metzenleitner sowie der Gemeinderat und Referent für die Almbachklamm, Nikolaus Rußegger, der die Wandergruppe mit seinem enormen Fachwissen beeindruckte. Seit 1894 gibt es einen von einem Pionierbataillon in schwieriger Arbeit erstellten Steig durch die Klamm. Spätestens seit dem Hochwasser 2021 ist davon jedoch nichts mehr zu sehen, weil in den Folgejahren sämtliche 29 Brücken und Stege und ein Teil der Wege neu gebaut werden mussten, finanziert aus dem Unwetterfonds des Bundes „Aufbauhilfe 2021“. „So präsentiert sich die Klamm jetzt in einem Top-Zustand, der nun die Unterhaltskosten der Gemeinde reduziert“, freute sich der Bürgermeister und verwies auf die etwa 80 000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr.
Vor der heutigen touristischen Nutzung gab es lange zuvor allerdings eine andere: die Holztrift! Von 1834 bis 1836 wurde im hinteren Bereich der Klamm eine 14 Meter hohe, 6 Meter breite und 17 Meter lange Staumauer gebaut, die Theresienklause, wo bis zu 15 000 Kubikmeter Wasser aufgestaut wurde. Nach Öffnen der Klause wurde in gefährlicher Arbeit vor allem Brennholz in bis zu 4 Meter langen Scheiten durch die Klamm gespült. Erst 1963 kam es zur letzten Holztrift. Angesichts der relativ spärlich fließenden Wassermenge im Klammbett aufgrund des extrem trockenen Sommers konnte man sich eine solche Trift nur mehr schwer vorstellen. Nikolaus Rußegger bestätigte den Besuchern, dass sich der Klimawandels sich nicht nur auf die Wassermenge, sondern auch auf die ganz speziellen Pflanzengattungen entlang der Klamm auswirkten. Sowohl bei Kräutern und Sträuchern als auch beim Wald zeigten sich bereits deutliche Veränderungen.
Hauptgesprächsthema während der Mittagspause war natürlich die zunehmende Gefährdung unserer offenen demokratischen Verfassung durch die Rechtsradikalen. Bärbel Kofler berichtete von erschreckenden Redebeiträgen und Störmanövern im Deutschen Bundestag und warnte entschieden davor, sich daran zu gewöhnen oder „die halt mal dranzulassen“, um deren Unfähigkeit zu demonstrieren, wie immer wieder zu hören ist. Man brauche nicht einmal die Geschichte von 1933 zu bemühen, um sich der Gefahren bewusst zu werden, die von einer autoritären und völkisch-inhumanen Regierungsbeteiligung ausgehen würde. Es genüge auch der Blick nach Amerika oder Russland. Die Staatssekretärin plädierte für ein konsequentes Fortführen der Reform-Agenda unter klarer Berücksichtigung sozialer Belange. Sorgen etwa um soziale Sicherheit, den Klimaschutz oder den Wandel der Industrie müsse die Politik ernst nehmen. „Solche Sorgen sind aber kein Grund, sich von der Demokratie abzuwenden. Gerade die Demokratie gibt uns die Möglichkeit, Sorgen und unterschiedliche Interessen offen zu artikulieren und gemeinsam um Lösungen zu ringen, die wir anschließend auch umsetzen können“, betonte Kofler.